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Erotikmesse Witten 20.01.-22.01.2006
in Presseschau 11.01.2006 17:46von Jens •

Admin | 2.388 Beiträge
"Das gehört halt in die heutige Zeit"
Mehrheit hat nichts gegen Erotikmesse im Saalbau - Kritiker halten Musentempel für unpassend
Strip-Shows, Mode aus Lack und Leder, Akt-Fotografie und scharfe Videos: Was halten die Wittener von einer Erotikmesse im Saalbau? Die Mehrheit, so das Ergebnis einer Umfrage auf der Bahnhofstraße, hat nichts dagegen.
"Damit habe ich kein Problem", erklärt Thorsten Eigenwillig (36). Erotik gehöre halt in die heutige Zeit. Dagegen hält Lehrerin Ursel Pflüger (62) den Saalbau für einen unpassenden Ort. "Er ist doch eher für Kultur gedacht", sagt die regelmäßige Theatergängerin, die an der Berger Straße zur Vormiete abonniert ist. Eine Erotik-Messe passe eher in die Werkstadt. Anderer Meinung ist ihre Begleiterin Maren Greie (36): "Jedem Tierchen sein Pläsierchen." Jeder solle das ausleben, "was er ausleben will". Was den Saalbau angeht, sagt die Wittenerin: "Ich denke, hier geht es um die Finanzierung des Gebäudes. Ähnlich denkt ein jüngerer Mitarbeiter der Stadt, der namentlich nicht genannt werden will. "Da werden doch auch Schuhe verkauft."
Ebenfalls keine Einwände hat Georg Romanow (72). "Das ist für junge Leute, für ältere manchmal auch." Der Saalbau sei arm geworden und nur noch schwach belegt, glaubt der Rentner, und daher um so mehr auf solche Veranstaltungen angewiesen. "Ich bin in einem gemischten Chor. Für uns ist er schon zu teuer geworden", so Romanow.
Eine Erotik-Messe im Saalbau? "Warum nicht?" fragt Anna Sladkova (18). "Jedem das Seine", meint die junge Frau aus Russland. "Ich freu´ mich schon drauf", sagt sogar Rüdiger Schwärzell (47). Er hat überhaupt keine Probleme mit einer solchen Darbietung in Wittens guter Stube. "Schließlich leben wir in einer ziemlich freizügigen Welt." Jetzt sagten viele vielleicht noch "Bäh" und am Ende gingen sie dann doch hin... Erotik, die gebe es doch mittlerweile überall, meint ein Ehepaar, das seinen Namen nicht nennen will. "Schauen Sie sich doch nur das Abendprogramm an!"
Ein Bedenkenträger findet sich dann aber doch noch. Er erinnert daran, dass der Saalbau nicht nur für Kultur, sondern auch für Gottesdienste der Creativen Kirche genutzt wird. Erotik-Shows gehören seiner Meinung nach auf die Reeperbahn. aug
Jens
Quelle: http://www.waz.de
Im Saalbau fallen die Hüllen
Erotikmesse feiert am 20. Januar Premiere in Wittens Musentempel Hallenchef: "Gewerbliche Veranstaltungen bringen gutes Geld"
Zwischen der Peter-Kreuder- Gala mit Opernsänger Gunther Emmerlich und dem Musical Irma La Douce schiebt der Saalbau eine für ihn ungewöhnliche Veranstaltung ein: Vom 20. bis 22. Januar verwandelt sich Wittens Musentempel in die "World of Erotic". Bühne frei für Strip und Table Dance - eine Premiere der besonderen Art.
Die ganze Stadt hängt schon voller Plakate. "Europas größte Tourneemesse kommt!" Angekündigt sind "Nonstop-Erotik-Shows auf mehreren Bühnen", "internationale Topmodels", Fotoshooting, Ladies Night, "49 000" Erotik-Spielzeuge und "Pornostars live". Schweinkram in Wittens guter Stube?
"Dieses Schmuddelimage, das man den Erotikmessen vor zehn Jahren noch unterstellt hat, ist doch längst weg", sagt Hallenchef Udo Wildförster vom Kulturforum. Er macht keinen Hehl daraus, dass mit dem Messe-Anbieter ein zahlungskräftiger Kunde angefragt hat. "Wir nehmen gerne gewerbliche Veranstaltungen, weil sie gutes Geld bringen." Letztlich kämen solche Vermietungen auch Kulturereignissen zugute, weil man sie dank Mischfinanzierung etwas günstiger anbieten könne.
Wildförster betont, dass der Veranstalter seriös sei und gute Referenzen habe. "Es ist ein Versuch." Und es werde ja niemand gezwungen, hinzugehen. Die Verkaufsmesse finde im Foyer statt, Showacts im Festsaal, kündigt Heidemarie Hetschold an, die kaufmännische Leiterin des Saalbaus. "Hardcore, das haben mir die Veranstalter bestätigt, wird es nicht geben." Der Ausrichter der Messe spricht von "ästhetischer und sinnlicher Erotik fast zum Anfassen". Auch Körperkunst wie Body Painting ist zu sehen. Der Eintritt kostet 20 E. Damen kommen mit einem Gutschein umsonst rein.
10.01.2006 Von Jürgen Augstein
Jens
Ware Liebe
Doch Wittens erste Erotikmesse im Saalbau konnte einige Besucher nicht zufrieden stellen:
der Eintritt war höher als angekündigt; wer mehr sehen wollte, zahlte extra
Internationale Topmodels, Pornostars und gar 49 000 Sexspielzeuge im Saalbau - will man das sehen? Der Andrang hielt sich in Grenzen bei Wittens erster Erotik-Messe und die, die kamen, könnten den Sieg des Fleisches über die Vernunft bereut haben - denn ein Besuch hinterließ nicht nur einen unappetitlichen Beigeschmack, sondern auch das Gefühl, abgezockt worden zu sein.
Eiskalt wurde 25 E pro Tageskarte kassiert, bei den angekündigten 20 E handelte es sich angeblich um einen Druckfehler. Drinnen tummeln sich zwischen Wühltischen und Dessous-Ständen viele Pärchen, mit Fotoapparaten behängte Herren und junge Jungscliquen, die kichernd Federpuschel, Handschellen, flutschige Cremes oder "Nahrungsergänzungsmittel zur Stärkung der Sexualität" namens " Eumel- Bull-Kraft" begutachten. Oder die Salbe mit der spanischen Fliege, die "Frauen Ja zur Liebe sagen lässt".
Peter Padyma, sonnengebräunt, muskulös, die langen grauen Haare wild über die Schulter geworfen, verkauft "erotische Kunst". "Ich habe mir gedacht, Obst oder Landschaft malt jeder. Aber an sowas traut sich keiner ran." 300 Euro sollen die großformatigen Digital-Bilder, die vorwiegend das weibliche Geschlecht abbilden, kosten. Und weil man "die Dinger irgendwie wegkriegen muss", dachte sich Peter Padyma ein Losverfahren aus, das er mit der Stimmlage eines Bratpfannenverkäufers vorträgt: "Hömma, hömma, hömma! Für zwei Euro gewinnst du ein Bild, eine Armbanduhr oder dieses Soft-Tattoo!"
Die rothaarige Cami wartet zwischen Corsagen und Hackenstiefeln: "Das ist nicht wirklich was für die Straße", gesteht sie. "Außer man möchte Aufsehen erregen."
Regelrecht harmlos mutet da der "Tantrabeam" an, den Sebastian und Ute an den Mann bringen möchten. Den leicht vibrierenden Apparat kann man sich über den Finger stülpen, um zum Beispiel seinen Oberarm zu massieren. "Wie hast du´s aufgenommen", flötet Ute, während Sebastian der Besucherin über den Rücken rubbelt. 49 Euro kostet das Teil? Schnell weg.
Im großen Saal, wo sonst Gospelsänger oder Balletteusen ihr Können zeigen, wird stündlich zur "Liveshow" gerufen: Dem gegelten Ray wird´s warm im Ledermantel, weswegen er diesen mit saloppem Schwung abwirft. Die gut geformte Bayerin Vivian droht den Herren in der ersten Reihe mit dem Polizeiknüppel. Begeistert filmen die, was Vivian da spreizt und zeigt. Wer mehr sehen will, muss 20 E zahlen, denn in der abgedunkelten Kabine nebenan lockt eine herrische Holländerin.
Als "bodenlose Unverschämtheit" empfindet ein älteres Ehepaar aus Wanne-Eickel diese Preisgestaltung. Und Jörg und Wolfgang aus dem Rheinland erzählen empört, was man auf anderen Messen geboten bekäme - und zeigen einen Stapel Fotos mit detaillierten Aufnahmen.
Jede Menge Spaß habe man mit dem Wittener Publikum, betont Ausrichter Uwe Sollmann. Jenes Publikum durfte man allerdings nicht um seine Meinung bitten, weil "die Fragen die Leute von den Produkten" ablenken würden. Nur von einer kritischen Dame wusste ein Schausteller zu berichten: Diese habe um 16 Uhr einen - nennen wir es - Massagestab gekauft. Und bereits um 16.20 Uhr wegen technischer Mängel reklamiert.
22.01.2006 Von Susanne Schild
Jens
Pressesplitter:
<<Als "bodenlose Unverschämtheit" empfindet ein älteres Ehepaar aus Wanne-Eickel diese Preisgestaltung. Und Jörg und Wolfgang aus dem Rheinland erzählen empört, was man auf anderen Messen geboten bekäme - und zeigen einen Stapel Fotos mit detaillierten Aufnahmen.>>
Dieser Beitrag von Frau Schild ist der Prototyp tendenziöser Berichterstattung. Als wir ihr gegen 16.15 Uhr begegneten war ich gerade erst angekommen und hatte weder von der Ausstellung noch der Bühne etwas gesehen, hätte ergo auch noch gar nichts zu Inhalten erzählen können. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt hatte ich allerdings den Eindruck, daß ihr Artikel tendenziell bereits fertig war. Anscheinend war sie bereits mit Vorsatz angereist, oder jemand hatte sie zuvor geärgert.
Augenscheinlich ist aber ein Provinzschreiberling, der ansonsten mit Artikeln über Kaninchenzüchter und Hundeverordnungen sein dasein fristet, bei der Berichterstattung über eine solche Veranstaltung maßlos überfordert.
Dazu paßt auch noch der folgende Beitrag, den ich im WAZ-Archiv gefunden habe:
http://www.waz.de
Ein krisensicheres Gewerbe
Trotz Wirtschaftskrise laufen Erotik-Messen gut. Ausrichter der "World of Erotic" ist die Coburger Highlights Company und die Bochumer Veranstaltungstechnik Sebo. Die Messe ist eine Art "Wanderbühne": Fast jedes Wochenende ziehen sich die zwölf Stripper zwischen den Warenauslagen aus.
Tourneeleiter Uwe Sollmann (40) aus Langendreer ist gleichzeitig Ansager der Auszieh-Nummern. Mit ihm sprach Redakteurin Susanne Schild:
Warum veranstalten Sie Sex-Messen?
Sollmann: Ich mache das seit sieben Jahren. Das ist meine 321. Messe.
Aber warum machen Sie das?
Sollmann: Das ist nunmal das älteste Gewerbe der Welt. Es ist krisensicher. Und in diesem Jahr läuft es sehr gut. Man merkt den leichten wirtschaftlichen Aufschwung.
Frauen können die Messe umsonst besuchen, bei ihnen lassen auch Männer die Hüllen fallen. Trotzdem kommen vorwiegend Männer.
Sollmann: Erstens schauen sich die meisten Frauen gerne einen Frauenstrip an, um sich Anregungen zu holen. Und zweitens ist es nun einmal so: Wir leben von der Geilheit der Männer.
22.01.2006 Von Susanne Schild
P.S.: Zwischenzeitlich wurde ruchbar, daß das Ordnungsamt am Freitag Rabatz gemacht hatte. Es ging um die Freizügigkeit auf der Bühne, aber auch um die Lesbo-Show der beiden Zwillingsschwestern Anna und Kathy. Schade, daß die Streitbarkeit hierzulande so wenig ausgeprägt ist. In Belgien oder gar Frankreich würden dagegen im Bürgermeisteramt schnell mal die Scheiben eingeschlagen wenn an die Öffentlichkeit käme, daß so ein lausiger Beamter versucht hätte erwachsene Bürger zu zensieren.
RE: Erotikmesse Witten 20.01.-22.01.2006
in Presseschau 05.05.2006 18:14von just •

Member | 20 Beiträge
Ok, ich bin aus Berlin, wo gottseidank jeder nach seiner Fasson glücklich werden kann. Aber als ich eben in diesen thread geschaut habe, dachte ich, das gibt es doch nicht. Ich wusste nicht, dass es noch solche hinterweltlerische Gegenden gibt, die mit Erotikmessen Probleme haben. Jeder normale Mensch hat das Bedürftnis nach Erotik. Wieso ist das ein Problem. Ich verstehe nicht, wieso irgendwelche katholischen Amtsleiter, die wahrscheinlich die besten Kunden im SexInternet sind, solche harmlosen Stripteasedarbietungen verbieten.
Grüße, Jürgen
Hi Jürgen,
mir gings genauso, war über die schlechten Berichte über Witten überrascht. war selber auf dieser Erotikmesse und sehr begeistert und dann solche berichterstattung.
Jeder, der auf solche Veranstaltungen geht, tut das freiwillig, alter>18J, aber besonders in Deutschland gibt es viele Leute, die solche Veranstaltungen torpedieren...
Jammerschade...
LG Friedriech
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