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Porno-Stars haben am Tag des Herrn frei
Verwaltungsgericht bestätigt Sonntagsverbot der Erotik-Messe in Gern - Ersatztermin am Donnerstag, 30. März
von Franz Gilg.
Eggenfelden. Keine Erotik-Messe am Sonntag, 2. April, in der Rottgauhalle. Das Verwaltungsgericht Regensburg bestätigte vorgestern ein entsprechendes Verbot des Landratsamtes. Um den Schaden zu minimieren, wird die Veranstaltung nun um einen Tag vorverlegt.
Entertainment und Sex für alle Vorlieben, in allen Spielarten, tabulos, frivol, frech. Vollbusig wird seit einigen Tagen für Österreichs »exklusivste Erotik-Messe« geworben. 25 heiße Live-Shows sollen die Sinne erquicken. Dazu gibt's ein breites Sortiment von Artikeln für intime Stunden: Tangas, Dessous, Latex und Leder, Dildos, Verhüterli, Orgasmus-Verlängerer und vieles mehr für den Geschlechtsverkehr.
»Junge, aufregende Top-Models und bekannte Pornostars aus verschiedenen Nationen« steigern die Kauflust des Publikums. »In aufwendigen Choreografien und Kostümen werden neue raffinierte Posen und Bewegungsabläufe trainiert«, verspricht der Veranstalter. Den Damen zeigt man »knackige Männer«, die alle Hüllen fallen lassen. Claudia Bluebell, Maya Marvel, Mia Dee und Gili Sky, die ansonsten vor der Kamera kopulieren, signieren Poster und geben Autogramme.
Vorab sind 15 Techniker und Messebauer zwei Tage lang damit beschäftigt, die schlichte Halle in ein zweites St. Pauli zu verwandeln. Aber der Veranstalter, das Concertbüro COFO aus Passau, schlägt in seiner Presseerklärung auch seriöse Töne an: Die Messe »Eros & Amore« hebe sich wohltuend von vergleichbaren »Billiganbietern« auf diesem Sektor ab. Bei 15 Euro Eintritt darf man das auch erwarten. Natürlich herrsche Jugendverbot. Alles unter 18 Jahren muss draußen bleiben.
COFO-Chef Oliver Forster hat die Halle für Freitag, 31. März, bis Sonntag, 2. April, angemietet und ging davon aus, dass die Genehmigung durchs Landratsamt nur Formsache sei. Da täuschte er sich. Für den Sonntag gab's die »rote Karte«. Grund der Absage ist ein Empfehlungsschreiben aus dem Wirtschaftsministerium, wie Herbert Horak, Justiziar am Landratsamt, auf Anfrage des Rottaler Anzeigers mitteilt.
Darin heißt es, eine Verkaufsveranstaltung sei abzulehnen, wenn ihre Durchführung »den Grundsätzen des Sonn- und Feiertagsrechts widerspricht«. Das gelte insbesondere für Erotikmessen, wenn »mit der Akzeptanz in der Bevölkerung ersichtlich nicht zu rechnen ist - wovon in der Regel bei sonntäglichen Festsetzungen außerhalb der bayerischen Großstädte auszugehen sein dürfte«.
Proteste gegen die Erotik-Messe durch Bürger, Vereine oder Verbände, speziell konservative Kreise, von denen man dies eigentlich erwarten würde, sind dem Rottaler Anzeiger nicht bekannt. Sprich: Obwohl für »Eros und Amore« intensiv geworben wurde, blieb ein Sturm der Entrüstung aus.
Trotzdem beharrte das Landratsamt auf seinem Nein für den Sonntag, was Antragsteller Oliver Forster sauer aufstieß. Schließlich seien ähnliche Messen in Passau oder Straubing problemlos genehmigt worden, betont er. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass dort andere Moralvorstellungen herrschen wie in Eggenfelden. « Außerdem liege die Halle abgelegen in Gern und alles spiele sich in geschlossenen Räumen ab. »Da muss keiner um seine Sonntagsruhe fürchten. «
Laut Herbert Horak gehe es nicht um Prüderie, sondern ums Prinzip. Auch so manchen Flohmarkt am Sonntag habe man bereits abgelehnt. Forster hält dagegen: »Und was ist mit den sonntäglichen Tatoo-Messen in der Rottgauhalle?« Das sei ebenfalls eine ziemliche Fleischbeschau.
Nun, zwei erotische Tage blieben dem Veranstalter ja. Ein schwacher Trost. »Das hauptsächliche Geschäft erwarten wir am Sonntag. Da kommen erfahrungsgemäß die meisten Leute«, wettert Forster. So gesehen stehe die ganze Veranstaltung auf der Kippe, sagte er noch zu Beginn der Woche. Er legte Widerspruch ein und wandte sich ans Verwaltungsgericht Regensburg, das eine Eilentscheidung in dieser Sache fällen sollte. Am Donnerstag ging ihm der Beschluss schriftlich zu: Antrag abgelehnt.
In der Begründung folgt das Gericht der Argumentation des Landratsamtes. Dieser »Spezialmarkt« mit »Zurschaustellung von Personen« stehe dem Schutz der Sonntagsruhe entgegen. Ausnahmen habe es bislang nur in »deutlich größeren Städten« gegeben. Und von einer traditionellen herkömmlichen Freizeitveranstaltung könne hier nicht die Rede sein. COFO habe darüber hinaus vorgetragen, dass man sich mit dem Hallenvermieter notfalls auf ein Ersatzprogramm einigen könne. Und: Organisator der Messe sei ohnehin eine österreichische Firma. Bedeutsam für das Gericht ist auch die Wohnbebauung im Umfeld der Rottgauhalle.
Die Eilentscheidung sagt nichts über die Zulässigkeit der Erotik-Messe am Sonntag aus, sondern bestätigt lediglich die Absage des Landratsamtes. Letztlich müsse ein »Hauptsacheverfahren nach sorgfältiger Sachverhaltsermittlung und Abwägung« klären, wer in diesem Streitfall Recht hat. Und das kann bekanntlich dauern.
Dass es so pressierte, habe sich Forster selbst zuzuschreiben, bemerkt Justiziar Horak. »Der Mietvertrag für die Halle wurde bereits im Sommer 2005 abgeschlossen, aber erst im Januar 2006 erfuhr unser Amt von der Veranstaltung. « Früher habe er den Antrag nicht stellen können, erklärt Forster: »Ich bin nur Pächter. Für das Equipment, die Auftritte und Aussteller bestehen Verträge mit Zulieferern, die erst Ende Januar zu Stande kamen. «
Auf die Niederlage vor Gericht reagierte COFO gestern überraschend gelassen. Pressesprecher Michael Oswald teilte mit, man akzeptiere den Beschluss und werde statt des Sonntags einfach den Donnerstag, 30. März, ins Programm nehmen. »Das ist kein Problem für uns, weil ansonsten alles gleich bleibt. Unsere neue Anzeigenkampagne läuft bereits. « Die geänderten Öffnungszeiten sind nun: Donnerstag und Freitag von 17 bis 1 Uhr nachts, Samstag von 14 bis 24 Uhr.
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Jens