Quelle: http://www.espace.ch/artikel_347419.html
Zitat von http://www.bernerzeitung.ch
Polizei kontrolliert «Amor» und «CannaTrade»
Heute Donnerstag öffnet die Erotikmesse Amor ihre Türen, morgen die Hanfmesse CannaTrade. Ob dabei alles im legalen Bereich bleibt, prüft die Gewerbepolizei. Zwischen Live-Sex und Hanfstauden keine einfache Aufgabe.
Konservative Mitbürgerinnen und Mitbürger sollten bis und mit Sonntag das BEA-Gelände in Bern meiden wie der Teufel das Weihwasser: Ab heute verführt in der Festhalle die Erotikmesse «Amor» mit «Niveau und Qualität» zu einem Abstecher in eine «erotische Traumwelt», ab morgen hegt und pflegt man in der Halle 220 die Hanfpflänzchen an der Fachmesse «CannaTrade».
Wer nun fürchtet, Bern könnte zum Sündenbabel werden, sei an dieser Stelle beruhigt: Die Hüter des Gesetzes werden an beiden Ausstellungen über Anstand und Moral wachen. Das ist keine unmögliche Mission, aber doch eine schwierige.
Verantwortlich für die Bewilligung von «Amor» und «CannaTrade» ist die Gewerbepolizei. Sie hat ihren Segen gegeben, den Veranstaltern aber Auflagen gemacht. So dürfen beispielsweise an der «Amor» Darsteller/-innen und Zuschauer/-innen «keinen Kontakt» miteinander haben. «Also Händeschütteln liegt schon drin», präzisiert Mitorganisator Fritz Räz. Wenn jedoch intimere Körperteile miteinander geschüttelt werden, müssen die Beamten ihres Amtes walten. Was sie letztes Jahr auch taten und kurzerhand einen Stand dichtmachten. Also: Nur mit den Augen schauen, nicht mit den Händen!
Mister «Amor» Fritz Räz begrüsst die Kontrollen der Polizei. «Es ist auch für uns wichtig, dass alles legal abläuft.» An der «Amor» werden nicht nur Mitarbeiter der Gewerbepolizei auf Patrouille gehen, sondern auch Beamte der Kriminalpolizei. Im Erotikbusiness gebe es halt «immer gewisse schwarze Schafe», sagt Polizeisprecher Thomas Jauch. Es sei darum wichtig, dass die Kripobeamten das Milieu kennen und «Kontakte pflegen» würden. «Sehen Sie, das klingt in diesem Zusammenhang schon zweideutig», bemerkt er und lacht. Uff. Ächz. Stöhn. Diese Messe ist in der Tat für alle Beteiligten schlüpfriges Terrain. Verständlich darum, dass die Gewerbepolizei ihre Kontrollen lieber nicht in Begleitung der Presse durchführen möchte.
Ob es vielleicht zwischen den Hanfstauden unverfänglicher ist? «Die Auflagen sind dieses Jahr strenger», sagt Mauro Berini, der die «CannaTrade» mitorganisiert hat. Will heissen: Hanfpflanzen dürfen an der Messe eben gerade nicht gezeigt werden. «Auf das bereits traditionelle Hanffeld müssen wir dieses Jahr verzichten», sagt Berini. Da man «grundsätzlich ein gutes Einvernehmen» mit den Behörden habe, sei man dieser Aufforderung nachgekommen. «Obschon die Hanfpflanze als solche ja nicht verboten ist, sondern erst, wenn sie eine gewisse Menge an THC enthält», sagt Berini.
Wer bei Hanf nur ans Kiffen denke, liege sowieso völlig falsch, sagt Mauro Berini. Aus der Pflanze könnten schliesslich etwa 40000 andere Produkte hergestellt werden. Da an der Messe aber auch ein Joint-Roll-Wettbewerb auf dem Programm steht, kommt doch der Verdacht auf, dass vielleicht, eventuell, doch der eine oder die andere
«Das Rauchen können wir nicht gänzlich verhindern», räumt Berini ein. In den letzten Jahren hätten aber jeweils auch die Polizisten «ein Auge zugedrückt». Er wisse aber nicht, ob das heuer auch so sei.
Polizeisprecher Thomas Jauch hofft, dass Veranstalter, Besucher und Beamte an beiden Messen «den gesunden Menschenverstand» walten lassen. Aber: Gewisse Dinge – wie eben beispielsweise Körpereinsatz von Zuschauern am Livepornodreh – würden keinesfalls toleriert.
Und so werden sich bis am Sonntag Pornosternchen, Liebhaber von Kräuterkissen, Neu- und anderweitig Gierige sowie Gesetzeshüter in den Hallen auf dem BEA-Gelände treffen. Voraussetzung: Sie alle müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Sonst liegt höchstens ein Spaziergang auf der nahen Allmend drin.