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Zitat von szbz.de
Sinneszauber der handfesten Art
14.11.2007 00:00 Uhr - Von unserer Mitarbeiterin Ute Neumann
Dunkle Samtwände schimmern leicht im Kerzenlicht, das Schaumbad verströmt einen elektrisierenden Duft und die gefüllten Sektgläser versprechen ein sinnliches Vergnügen. Es beginnt zu kribbeln. Was für eine erotische Vorstellung. Die mit der Erotik - Messe im Sindelfinger Glaspalast überhaupt nichts zu tun hat. Da nützt auch der Name "World of Erotic" wenig.
Was im Glaspalast ein Wochenende lang Einblicke und Anregungen in die sinnliche Welt des menschlichen Seins geben soll, entpuppt sich schon am Eingang als sehr realistische Angelegenheit. 25 Euro Eintritt - für die Herren der Schöpfung, die Damen kommen in männlicher Begleitung umsonst hinein. Oder sie haben sich einen Coupon aus der Zeitung beziehungsweise dem Internet besorgt, dann geht es auch alleine kostenfrei ins Innere. Hauptsache Frauen kommen überhaupt. Und das tun sie, leicht in der Unterzahl, aber immerhin. Eine Erotik - Messe ist heute keine reine Männerdomäne mehr.
Ob das, was den interessierten Besucher auf der Showbühne und an den rund 30 Verkaufsständen erwartet, tatsächlich irgendwie erotisch ist, das ist wohl Definitionssache. "Mir ist es hier zu hell und die Musik auf der Bühne viel zu laut", sagt Irina, 28, die mit ihrem Freund am Sonntagnachmittag über die Messe bummelt. "Aber das Angebot ist schon, sagen wir mal, interessant."
So finden sich neben harmlosen Schmuck- und Körperpflege-Ausstellern Dessous--Stände mit einem durchaus reizvollen, farbenprächtigen und keineswegs unanständigen Angebot. Erotisch eben.
Allerlei Hilfsmittel
Auch der Fotostand, der im Separee Bilder von mehr oder minder bekleideten Besuchern mit einer Riesenschlange anbietet, kann seinen Reiz haben. Selbst das schmerzverzerrte Gesicht einer jungen Frau, die sich gerade ein Tattoo auf den Unterarm ritzen lässt, gehört irgendwie dazu. Gar nicht zu reden von den ein oder anderen eindeutigen Hilfsmitteln aus Plastik, Gummi oder Glas, gepunktet, leuchtend oder elektrisch. Die gibt es mittlerweile in jedem seriösen Versandhaus zu bestellen.
Die Shows auf der großen mit allen Schikanen ausgestatten Showbühne zeigen eindeutig zweideutig sehr viel nackte Haut beiderlei Geschlechts, sehr zur Freude des Publikums. Und würden die Bässe aus der Anlage nicht so wummern, könnte sogar so etwas wie Erotik aufkommen.
Schwierig wird es, wenn brancheninterne Stars in abgeschirmten Bereichen ihre sehr direkten Spezialvorführungen geben. Hier ist dann nicht mehr die Rede von Erotik, sondern das Kind wird deutlich beim Namen genannt. Was das Messe-Publikum keineswegs stört. Es ist sogar noch bereit, zusätzlich Eintritt dafür zu zahlen. "Weil das hier eine Messe ist und es nicht irgendwie schmuddelig wirkt", erklärt ein älterer Herr und verschwindet mit seiner Frau hinter dem schwarzen Vorhang.
Das Publikum ist bunt gemischt. Ob jung oder alt, allein oder zusammen, Männlein oder Weiblein, in Jeans oder Anzug - es gibt keine Einschränkung. Genauso wenig wie die Motivation, so eine Messe zu besuchen. "In den Anzeigen steht nicht, was hier eigentlich passiert", beichtet Ingrid, 52. "Und jetzt war ich doch mal neugierig." Sprach es und begab sich auf Entdeckungstour.
Den Messeveranstalter, die Highlight Company aus Coburg, wird es freuen. Viele Neugierige und ein paar Wissende und der Rubel rollt in der hart umkämpften Erotikbranche. Allein in Deutschland gibt es sieben Veranstalter von Erotikmessen. Immerhin sollen bisher rund 1,5 Millionen Besucher die "World of Erotic" auf ihrer Tour gesehen haben. Und nicht nur ein paar von ihnen waren in Sindelfingen.