Das Jahresende naht und damit die Zeit für die Rückbesinnung auf das Messejahr 2009. Ich möchte die Gunst der Stunde nutzen und meine Favoritin für den diesjährigen Blondinen-Preis des Erotikmessen-Forums nominieren.
Ich will mich vorab für mein Bildmaterial entschuldigen. Das sind Standbilder von Videoaufnahmen, die leider nur geringe Qualität besitzen. Aus Gründen der Contenance werde ich den Namen der Darstellerin nicht preisgeben und nur Bilder posten, auf denen sie nicht zu erkennen ist. Ich werde sie im Weiteren einfach als "Mademoiselle X" bezeichnen.
Es geht um eine Show aus dem Frühjahr: Es ist Freitag, der 6. März 2009 gegen 16 Uhr. Das 17. Festival de l`Erotisme in Brüssel nähert sich seinen Höhepunkten. Jens und Jürgen, mit denen ich die Messe besucht habe, gehen vor der Hauptbühne ihren fotografischen Verpflichtungen nach. An dieser Bühne war ich leider gescheitert: Zwei kreiselnde Suchscheinwerfer hinter der Bühne, die wahrscheinlich früher bei der belgischen Flak im Einsatz waren, hatten alle meine Videoaufnahmen vom Vortag verunstaltet. Unter diesen Bedingungen kann man noch fotografieren, aber nicht mehr zufriedenstellend filmen.
Daher pilgere ich am Freitag gegen 16 Uhr zum Podium 2, der Nebenbühne, die sich am Ende einer länglichen Nebenhalle des Kellergewölbes befindet. Ich habe Glück. Es ist gerade Pause und ich ergattere einen der begehrten Plätze an der Bühnenkante.
Bild 1: Die Show von Mademoiselle X beginnt. Unter choralen Klängen betritt sie in Mönchskutte und mit Zorro-Maske die Bühne. In den Händen hält sie eine Kerze. Schon vor der Darbietung waren verschiedene Utensilien von Helfern auf die Bühne gestellt worden. Als alter Messehase ist mir sofort klar, dass wir wohl eine Feuershow zu sehen bekommen.
Bild 2: Sie nimmt die Tanzdarbietung in Mönchskutte auf.
Bild 3: Mademoiselle X beginnt aus einer Flasche eine Flüssigkeit auf den Bodenbelag zu gießen. Das war neu für mich. Das hatte ich auf einer Erotikmesse noch nicht gesehen. Mein Interesse war geweckt.
Bild 4: Die Flüssigkeit wird großzügig verteilt. In meinem Kopf sind zu diesem Zeitpunkt hektische Berechnungen angestellt worden. Ich habe die Flammpunkte der mir bekannten brennbaren Lösungsmittel mit den Brandkennziffern textiler Bodenbeläge abgeglichen – und bin zu keiner befriedigenden Lösung gekommen. Aber ich liebe es, überrascht zu werden. Ich wollte dann direkt nach der Show zu Mademoiselle X eilen, sie nach der verwendeten Flüssigkeit befragen und bei meiner nächsten größeren Feier auf der heimischen Auslegeware mal alle meine Freunde schwer beeindrucken.
Bild 5: Mademoiselle X möchte die ausgeschüttete Flüssigkeit mit einem Feuerzeug entzünden. Es klappt nicht. Es liegt wohl am Lederhandschuh.
Bild 6: Der Handschuh wird ausgezogen. Mir wird klar, dass wir hier einer Premiere erleben. Aber wenn schon nicht die Nummer mit dem Anzünden geprobt wurde, war wenigstens die Feuernummer auf dem Belag getestet worden? Erste Zweifel keimen in mir auf.
Bild 7: Ohne Handschuh entzündet sich das Feuerzeug sofort. Die Flamme schlägt auf den Bodenbelag über.
Bild 8: Es ist vollbracht! Das Feuer wächst.
Bild 9: Manchmal hasse ich es, Recht zu behalten. Das Feuer wächst und wächst. Zudem löst sich der Bodenbelag – für mich ein endgültiger Hinweis, dass die Nummer aus dem Ruder gelaufen war. Während ich die Kamera noch auf das Geschehen richte, wandern meine Augen herum. Ich bin immer noch eingekeilt von Zuschauern, die den Ernst der Lage wohl nicht erkannt haben. Meine Augen wandern zur Decke. Die sich dunkel färbenden Deckplatten beunruhigen mich zutiefst. Wo liegt wohl die Brandkennziffer für die Platten in der abgehängten Decke? Ich denke unwillkürlich an den Flughafen Düsseldorf und die Flammenwalzen aus einigen Hollywood-Filmen, die ich gesehen habe. Jetzt blicke ich hilfesuchend in den Backstage-Bereich, der sich links neben der Bühne befindet. Dort sehe ich, wie die Crew hastig zwei Veuve-Clicquot-Flaschen entkorkt. Ja was denn, jetzt noch Champagner trinken? Nein – der Flascheninhalt wird in einen Sektkühler gegossen und zwei Crewmitglieder eilen auf die Bühne zur Brandbekämpfung.
Bild 10: Der Champagner wird auf das Feuer gegossen.
Bild 11: Es hat nicht ganz geklappt. Man hätte wohl noch eine dritte Flasche entkorken müssen. Die beiden Crewmitglieder beginnen den Brand mit ihrem Schuhen zu bekämpfen.
Bild 12: Sie kämpfen…
Bild 13: …und kämpfen. Dabei entzündet sich auch das Schuhwerk der Kampfgenossen.
Bild 14: Die rettende Idee: Der umgestülpte Sektkühler entzieht dem Brandherd den nötigen Sauerstoff. Mademoiselle X führt dann tapfer ihre weitere Vorführung auf. Aus Jugendschutzgründen will ich von diesem Teil der Show aber keine weiteren Bilder posten. Nach der Darbietung hat sich Mademoiselle X dann mädchenhaft und sehr süß für das Malheur entschuldigt.
Bild 15: Die Bühne nach der Show.
Bild 16: Die Begutachtung des Bodens...
Und Bild 17: ...und der abgehängten Decke durch die Experten aus dem Backstage-Bereich. Ich habe leider in meiner Schulzeit nur geringe Französisch-Kenntnisse erworben. Ich glaube aber einige gemurmelte Worte vernommen zu haben, die man normalerweise nicht im Französisch-Unterricht lernt.
Hätte die Backstage-Crew in Brüssel nicht so vorbildlich reagiert, wäre Mademoiselle X möglicherweise für den internationalen Darwin-Preis nominiert worden, der ja auch jährlich vergeben wird. Das Magazin Spiegel hatte schon vor Jahren über diesen Preis berichtet:
http://wissen.spiegel.de/wissen/image/sh...pdf&thumb=false
Also, was meint ihr? Hat Mademoiselle X zumindest den diesjährigen Blondinen-Preis unseres Forums verdient?
Peter